Sehnenriss an der Schulter - Interview mit Schulterspezialisten Dr. Stefan Preis und Dr. Jörg Schroeder

Rekonstruktion der Rotatorenmanschette durch Arthroskopie (arthroskopische Operation)

Im Interview mit dem Arztbewertungsportal jameda spricht Dr. Stefan Preis, Leiter der Abteilung für Orthopädie und Sporttraumatologie der Klinik am Ring in Köln über das Thema Sehnenriss an der Schulter. Gemeinsam mit Dr. Jörg Schroeder gründete Dr. Stefan Preis 2004 das WESTDEUTSCHE KNIE & und SCHULTER ZENTRUM als überregional arbeitendes Kompetenzzentrum, das sich intensiv der Diagnostik und Behandlung von Knie- und Schultererkrankungen widmet.

Herr Dr. Preis, Sie sind Experte für Schultererkrankungen. Gemeinsam mit ihrem Team behandeln sie jährlich mehrere tausend Schulterpatienten und führen mehr als 200 Rekonstruktionen der s.g. Rotatorenmanschette durch.

Wie kommt es überhaupt zu einem Sehnenriss an der Schulter?

Die Sehnen an der Schulter können durch einen Unfall, wie beispielsweise einen Sturz auf den Arm, oder auch sonstige stärkste Belastungen reißen. Häufig ist jedoch ein chronischer Sehnenverschleiß dafür verantwortlich, dass es zum Sehnenriss kommt. Bei einer vorgeschädigten, verschlissenen Sehne reicht manchmal eine Alltagsbelastung aus, um sie reißen zulassen.

Wie äußern sich die Beschwerden beim Riss der Rotatorenmanschette?

Bei einem Schaden der Rotatorenmanschette klagt der Betroffene über plötzliche, oft stechende Schmerzen, vor allem bei Bewegungen des Armes nach oben. Häufig ist auch die Kraft beim Heben des Armes reduziert. Aufgrund einer sich ausbildenden Schleimbeutelentzündung kommt es häufig auch zu nächtlichen Schulterschmerzen, die regelmäßig in den Oberarm ausstrahlen.

Auf welche Weise stellt der Arzt / Orthopäde einen Rotatorenmanschettenriss fest?

Am Anfang stehen die Erhebung der Krankengeschichte sowie die klinische Untersuchung. Insbesondere spezielle Provokationstests für die einzelnen Sehnenabschnitte sind wichtig. Eine Kraftminderung, z.B. beim Anheben des Armes nach oben, kann dabei als relativ eindeutiges Indiz für einen Sehnenriss gelten. Bei Verdacht auf eine Ruptur der Rotatorenmanschette sind gezielte apparative Untersuchungen wie Ultraschall oder Kernspintomographie zur Darstellung der Sehnen notwendig.

Wie wird ein Riss der Rotatorenmanschette behandelt?

Eine gerissene Sehne heilt nicht von selbst zusammen. Es muss entschieden werden, ob der Betroffene mit einer gerissenen Sehne leben kann und langfristig beschwerdefrei sein wird, oder ob der Schaden am Schultergelenk repariert werden muss. Sämtliche Behandlungsstrategien orientieren sich grundsätzlich an der individuellen Beschwerdesymptomatik, am Anspruch des Patienten und an seinen speziellen Lebensbedingungen. Bei jungen Patienten sollte auch bei einem kleineren Riss der Sehne eine Rekonstruktion, d.h. die Naht der Sehne erfolgen. Je geringer der Bewegungs- und Belastungsanspruch ist, desto zurückhaltender kann man beim älteren Menschen mit der Rekonstruktion einer gerissenen Sehne sein. Hier kann dann ggf. auch mit konservativen Therapiemaßnahmen die Lebensqualität wieder hergestellt werden.

Was geschieht bei einer Operation der Rotatorenmanschette?

Grundsätzlich werden bei einem Riss der Rotatorenmanschette entweder die gerissen Sehnen wieder miteinander vernäht oder, was häufiger der Fall ist, die vom Knochen abgerissene Sehnen wieder am Knochen fixiert. Früher musste hierzu die Schulter über einen ca. 10cm großen Schnitt eröffnet werden. Neben einem erhöhten Operationsrisiko und verstärkten Schmerzen, war eine sehr langwierige Ruhigstellung mit Gips oder Bandage erforderlich. Im Rahmen der medizinischen Weiterentwicklung konnten die Schnitte, d.h. die Zugänge zum erkrankten Gewebe in der Schulter auf ca. 5cm verkleinert werden, weil die offene Operation mit einer Arthroskopie (arthroskopischen Operation) kombiniert wurde (mini-open repair). 

Erfahrene Schulterspezialisten sind heute in der Lage nahezu alle Rekonstruktionen der Rotatorenmanschette komplett arthroskopisch durchzuführen. Bei der Arthroskopie, einer  minimal-invasiven Operationstechnik, erfolgt der Eingriff durch zwei oder drei lediglich ca. 3mm kleine Zugänge über eine Minikamera und feinste Spezialinstrumente. Zur Rekonstruktion der Rotatorenmanschette werden die abgerissenen Sehnenenden mit Hilfe winziger Implantate aus Titan oder bioresorbierbaren Materialien am Knochen refixiert, damit sie dort festheilen. Zugleich ist es meist notwendig, den Raum unter dem Schulterdach zu erweitern (vergl. Engpass-Syndrom), um die heilende Sehne vor unnötiger Druckbelastung zu schützen und ein sicheres Anheilen zu gewährleisten.

Nicht jeder Sehnenriss ist heilbar d.h. nicht jeder Sehnenriss kann geflickt werden. Bei einem sehr großen Riss, der vielleicht auch schon seit mehreren Jahren besteht, beschränkt man sich ggf. darauf, die abgerissenen Sehnenstümpfe zu glätten und entzündetes Gewebe zu entfernen. Nur in Ausnahmefällen ist eine aufwändige Rekonstruktion durch Verlagerung von Sehnen anderer Muskeln sinnvoll.

Wie wird die operierte Schulter nachbehandelt?

Damit die reparierte Sehne heilen kann, benötigt sie Ruhe. Die Schulter wird mit einer Bandage zunächst für ca. drei Wochen ruhig gestellt. Damit es in dieser Zeit jedoch nicht zu einer Einsteifung der Schulter kommt, wird das Schultergelenk frühzeitig vom Krankengymnasten vorsichtig bewegt und der Patient wird zu Eigenübungen angeleitet. Danach sollte ein gezieltes Muskelaufbautraining erfolgen.

Wer kann einen Schaden der Rotatorenmanschette behandeln?

Für eine optimale Behandlung der Rotatorenmanschettenruptur ist unbedingt ein Schulterspezialist gefragt. Weil ein minikmal-invasiver Eingriff für den Patienten weniger belastend ist, sollte die Operation nach Möglichkeit arthroskopisch erfolgen. Die Schulterarthroskopie stellt nach wie vor hohe Anforderungen an das Können des Operateurs und die instrumentelle Ausstattung. Von entscheidender Bedeutung sind daher die Erfahrung, die Geschicklichkeit und das Know-how des Operateurs und seines Teams. Insbesondere Ärzten in spezialisierten Zentren führen solche Eingriffe häufig durch und verfügen über die entsprechenden Voraussetzungen.

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