Prostatavergrößerung: Schonende Verfahren helfen

Interview mit Dr. Stephan Neubauer und Dr. Pedram Derakhshani vom Westdeutschen Prostatazentrum in Köln

Ständiges Wasserlassen, ein schwacher Harnstrahl und unangenehmes Nachtröpfeln - was für viele Männer zum Alptraum wird, ist meist auf eine gutartige Vergrößerung der Prostata zurückzuführen. Sie trifft fast jeden zweiten Mann über 50 und sogar jeden 80-Jährigen. Beim so genannten benignen Prostatasyndrom (BPS) wächst das Drüsengewebe der Prostata in den Bereich der Harnröhre. Die Entleerung der Blase wird dadurch behindert und die Harnröhre zunehmend eingeengt, was wiederum zu Problemen beim Wasserlassen führt. Glücklicherweise gibt es heute gut wirksame Therapien. Wir sprachen mit den Urologen Dr. Stephan Neubauer und Dr. Pedram Derakhshani vom Westdeutschen Prostatazentrum in Köln.

Muss eine Prostatavergrößerung immer behandelt werden?

Dr. Neubauer: Nein, nicht jede vergrößerte Prostata verursacht automatisch Beschwerden. Empfindet der Patient die Symptome als wenig belastend, kann er zunächst einmal abwarten. Allerdings sollten dann regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden, um behandlungsbedürftige Veränderungen rechtzeitig zu erkennen. Viele Patienten quälen sich jedoch unnötig lange, bevor sie einen Arzt aufsuchen und eine Therapie beginnen.

Welche Komplikationen können auftreten, wenn Männer trotz erheblicher Probleme beim Wasserlassen den Arztbesuch scheuen?

Dr. Derakhshani: Komplikationen ergeben sich vor allem aufgrund der mechanischen Abflussbehinderung des Urins. Wird die Blase nur unvollständig entleert, bilden sich Keime im Restharn, die wiederum schmerzhafte Entzündungen in Harnwegen und Blase hervorrufen. Im schlimmsten Fall kann es im fortgeschrittenen Stadium zu einem völligen Verschluss der Harnröhre kommen. Der so genannte Harnverhalt, ist immer ein Notfall, der sofort behandelt werden muss, da sonst ein Harnrückstau in die Nieren mit nachfolgendem Nierenversagen auftreten kann.

Wie kann der Arzt eine gutartige Prostatavergrößerung feststellen?

Dr. Neubauer: Um eine mögliche Prostataerkrankung abzuklären, führt der Urologe im Rahmen der Krebsvorsorge oder bei Beschwerden einige Untersuchungen durch. Dazu gehören die ausführliche Befragung, das Abtasten der Prostata, und die Bestimmung des PSA-Wertes. Liegt eine gutartige Vergrößerung der Prostata vor, werden zusätzlich eine Harnstrahlmessung zur Feststellung der Abflussbehinderung des Urins und eine anschließende Ultraschalluntersuchung der Blase zur Bestimmung des Restharns vorgenommen. Eine Urinprobe gibt Aufschluss über Begleiterkrankungen wie Entzündungen oder Blutungen der Harnwege.

Wie weiß der Patient, welche Behandlung für Ihn die richtige ist?

Dr. Derakhshani: Welche Therapie für den Patienten in Frage kommt, richtet sich in erster Linie nach Art und Schwere seiner Beschwerden. Sind die Symptome nur schwach ausgeprägt, können bereits pflanzliche Medikamente wie Sägepalme, Kürbiskern oder Brennnesselwurzel die Beschwerden wirkungsvoll lindern. Zusätzlich sind in diesem frühen Stadium allgemeine Maßnahmen wie das Meiden von Kälte und starken alkoholischen Getränken sowie viel Bewegung sinnvoll. Reicht dies nicht aus, stellen Alpha-Blocker die Mittel der Wahl dar. Diese Medikamente führen zu einer Entspannung der glatten Muskelzellen in Prostata und Blasenhals und verbessern damit die Blasenentleerung. Eine ergänzende Volumenverkleinerung kann durch die Gabe von 5-alpha-Reduktasehemmern erreicht werden.

Was kann Man(n) tun, wenn sich die Beschwerden trotz der Medikamente nicht bessern?

Dr. Derakhshani: Führen die Medikamente nicht zum gewünschten Erfolg oder kommt es zu wiederholten Harnwegsinfekten oder Blutbeimengungen im Urin, ist in der Regel ein operativer Eingriff zur Beseitigung der Harnabflussstörung erforderlich. Auch wenn eine normale Blasenentleerung nicht mehr möglich ist, d.h. bei einmaligem oder wiederholtem Harnverhalt, wird Ihnen der Facharzt zu einem Eingriff raten. Außerdem sollten in die Überlegungen Alter, Allgemeinzustand und gleichzeitig bestehende Erkrankungen miteinbezogen werden.

Welche operativen Techniken gibt es?

Dr. Neubauer: Neben den heute nur noch selten angewendeten offenen Operationen gilt die Ausschälung der Prostata (transurethrale Resektion / TURP) nach wie vor als Standardverfahren. Dabei wird ein spezielles Endoskop in die Harnröhre eingeführt und mit einer elektrischen Schlinge der drüsige Anteil der Prostata um die Harnröhre herum ausgehöhlt. Obwohl diese Methode in den letzten Jahren dank des medizinischen Fortschrittes deutlich verbessert wurde, können Komplikationen auftreten. So kann es unmittelbar nach der Operation zu Blutungen kommen, die jedoch nur in seltenen Fällen eine Blutstillung im Rahmen eines zweiten kurzen Eingriffs erforderlich machen. Zu den langfristigen möglichen Komplikationen zählen eine Harnröhrenenge, Zeugungsunfähigkeit wegen des rückwärtigen Samenergusses in die Blase, sowie selten Impotenz oder bleibende Harninkontinenz..

Gibt es denn alternative Möglichkeiten zur klassischen Ausschälung?

Dr. Derakhshani: Weitaus schonender als die konventionelle Ausschälung sind moderne Laserverfahren wie die Greenlight-Lasertherapie oder das Diodenlaser-Verfahren. Bei der Laser-Resektion wird das Prostatagewebe ebenfalls durch die Harnröhre abgetragen. Anstelle des elektrischen Stroms wird überschüssiges Gewebe mittels Laserenergie verdampft. Das hat den Vorteil, dass Nachblutungen fast gänzlich vermieden werden. Nebenwirkungen wie Impotenz und Inkontinenz sind mit den Laserverfahren ebenfalls praktisch auszuschließen. Die Patienten können die Klinik in der Regel nach 2 Tagen wieder verlassen oder ganz ambulant behandelt werden.

Wem empfehlen Sie eine Lasertherapie?

Dr. Neubauer: Grundsätzlich profitiert jeder Mann mit einer vergrößerten Prostata von der Lasertherapie. Doch vor allem bei Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollte eine Laserbehandlung unbedingt in Betracht gezogen werden. Mit dem besonders leistungsstarken Diodenlaser Evolve 150 können selbst Patienten mit einer großen Prostata problemlos behandelt. Darüber hinaus ist durch die insgesamt kürzere Behandlungsdauer ein schonenderes Anästhesie-Verfahren möglich, welches das Herz-Kreislauf-System des Patienten weniger belastet.

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