Erektile Dysfunktion nach Prostata-OP trotz moderner Methoden erheblich

Die radikale Entfernung der Prostata führt auch bei nervenerhaltender Operation bei einem erheblichen Prozentsatz der Patienten zu einer erektilen Dysfunktion. So zeigen aktuelle Studien trotz Verbesserung der OP-Techniken und dem Einsatz von Robotern keine höheren Potenzraten nach Prostata-OP, so das Fazit auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU) im März 2019 in Barcelona. 

Werden Männer mit einem lokalisierten Prostatakarzinom operiert, müssen sie zum Teil mit erheblichen Einbußen ihrer Potenz rechnen. So klagten nach Angaben einer groß angelegten Untersuchung der Krankenkasse Barmer GEK 70 Prozent der Operierten über Erektionsprobleme und 53 Prozent über sexuelles Desinteresse.  „Verlässliche Aussagen zur Häufigkeit der erektilen Dysfunktion nach ein Radikal-OP schwanken allerdings sehr stark“, sagt Dr. Pedram Derakhshani, Urologe im Westdeutschen Prostatazentrum. So liegen die Daten aus wissenschaftlichen Studien zwischen 26 und 100 Prozent. 

Keine einheitliche Definition von Potenz

Oftmals hapert es schon an einer einheitlichen Definition der Potenz. Prof. Dr. Suks Minhas vom University College London geht sogar davon aus, dass diese systematisch aufgeweicht wurde, um der radikalen Prostatektomie den Schrecken zu nehmen. So seien auch die hohen Potenzraten, die mit der roboterassistierten Prostata-Entfernung berichtet werden, mit Vorsicht zu genießen, betont der Urologe auf dem Jahreskongress der EAU. 

Keine Verbesserung der sexuellen Funktion nach OP in den letzten 10 Jahren

Indessen gingen Wissenschaftler des Memorial Sloan Kettering Cancer Centers in New York systematisch der Frage nach, ob in den letzten Jahren eine Verbesserung der erektilen Dysfunktion nach radikaler Prostatektomie erreicht werden konnte. Dazu untersuchten sie mehr als 2.000 Patienten, die zwischen 2008 und 2015 nervenschonend operiert wurden und ermittelten anhand standardisierter Fragebögen Da-ten zur Potenz nach OP. Die Ergebnisse sind jedoch ernüchternd: Die Wahrscheinlichkeit, die Potenz nach der Operation von Prostatakrebs zu erhalten, hat sich trotz großer Fortschritte in der chirurgischen und postoperativen Versorgung in den letzten zehn Jahren nicht verbessert. (Leider gibt das Abstract keine konkreten Zahlen zur ED an) Dies gilt laut Studienergebnissen auch für die moderne roboter-assistierte DaVinci-Operation.

„Einbußen in der sexuellen Funktion als Folge der OP sind umso schwerwiegender, da viele Männer mit Prostatakrebs noch immer unnötig operiert werden“, kommentiert Dr. Derakhshani die aktuellen Ergebnisse. So könne es laut Empfehlung der Leitlinien bei Männern, die ein Prostatakarzinom mit geringem Risiko aufweisen, häufig ausreichend sein, den Tumor engmaschig zu überwachen (Active Surveillance) oder mittels fokussierter Bestrahlung (Brachytherapie) kurativ (heilend) zu behandeln. Ist eine Behandlung notwendig, sollte das Ziel der Therapie immer sein, optimale Heilungsraten bei minimalen Nebenwirkungen zu erzielen, so der Kölner Urologe. 

Literatur
Capogrosso P et al.: Are We Improving Erectile Function Recovery After Radical Prostatectomy? Analysis of Patients Treated over the Last Decade. Eur Urol. 2019 Feb; 75(2): 221–22

 

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