Jahrestagung der DGU 2006 in Hamburg

Einfluss der Dosisverteilung auf die Lebensqualität nach permanenter Seedimplantation

Derakhshani P1, Spira G2, Kacpura W2, Neubauer S1

(1) Abteilung für Urologie, Westdeutsches Prostatazentrum, Klinik am Ring, Köln

(2) Abteilung für Radioonkologie, Westdeutsches Prostatazentrum, Klinik am Ring, Köln

Einleitung:

Wir berichten über den Einfluss der Dosisverteilung auf allgemeine und prostata-spezifische QoL nach permanenter Seedimplantation (PSI).

Methodik:

Zur Auswertung kommen die Daten von 328 konsekutiven Patienten (04/2004 bis 12/2005) mit PSI bei low-risk Prostatakarzinom. Erfasste Dosis-Parameter waren Prostatavolumen, Seed- und Nadelzahl, V100-Prostata, D90-Prostata, D30-Urethra und D10-Rektum. Vor der Behandlung sowie zu den Zeitpunkten 3, 6 und 12 Monate nach der Behandlung erhalten alle Patienten einen validierten Fragebogensatz bestehend aus EORTC-QLQ-C30 mit Prostatamodul PR25, IIEF5 sowie IPSS der AUA.

Ergebnisse:

Die Parameter zu Miktion und Darmfunktion im PR25 fielen zu den Zeitpunkten 3 und 6 Monate nach Implantation signifikant schlechter aus als vor der Behandlung. Nach 12 Monaten zeigte sich kein signifikanter Unterschied mehr. In der Regressionsanalyse bestand für die Miktion nach 3 Monaten eine signifikante Korrelation zu Volumen und Seedzahl. Für die Darmfunktion nach 3 Monaten zeigte sich eine signifikante Korrelation zur V100-Prostata der Nachplanung. Die Sexualfunktion und allgemeine QoL waren im Beobachtungszeitraum nicht signifikant beeinträchtigt. Signifikante Unterschiede gegenüber dem Ausgangs-IPSS (7,05) fanden sich nach 3 (14,64), 6 (13,89) und 12 (8,01) Monaten. In der Regressionsanalyse fand sich ein Zusammenhang von IPSS nach 6 Monaten zu Nadelzahl und D30-Urethra.

Schlussfolgerung:

Die permanente Seedimplantation ist eine gut verträgliche und etablierte Behandlungsoption bei lokal-begrenztem Prostatakarzinom. Die QoL war in den Bereichen Miktion und Darmfunktion beeinträchtigt, kehrte jedoch nach 12 Monaten wieder auf Ausgangsniveau zurück.

Qualität der Dosisverteilung bei der realtime-modifizierten Dosisplanung der permanenten Seedimplantation

Neubauer S1, Spira G2, Kacpura W2, Derakhshani P1

(1) Abteilung für Urologie, Westdeutsches Prostatazentrum, Klinik am Ring, Köln

(2) Abteilung für Radioonkologie, Westdeutsches Prostatazentrum, Klinik am Ring, Köln

Einleitung und Zielsetzung:

Bei der LDR-Brachytherapie zeigen sich signifikant höhere Raten an biochemischer Rezidivfreiheit bei einer D90-Prostata>140Gy. Die realtime-modifizierte Dosisplanung (RPM) bietet die Möglichkeit den Dosisplan sofort an intraoperative Verschiebungen der Seedposition anzupassen. Wir untersuchten Dosisplanung und Implantationsparameter unter RPM.

Methodik:

Seit Einführung der Realtime-Planung wurden zwischen 10/02 und 12/05 689 konsekutive Patienten mit PSI behandelt. Die Seeds wurden in einer modifizierten peripheren Beladungstechnik platziert. Das aktuelle Ultraschallbild wurde mit der intraoperativen Dosisplanung fusioniert. Eine RPM wurde anhand der realen Seedposition nach jeder Nadel vorgenommen.

Ergebnisse:

Bei einem intraoperativen Prostatavolumen von 31,6 ml (11 – 88) wurden im Mittel 45 Seeds über 17 Nadeln implantiert. Die intraoperative Dosisplanung ergab folgende mittlere Dosisparameter: D90-Prostata 175,85 Gy (Range 133-194 Gy), V100-Prostata 97,56% (Range 90-100%), D30-Urethra 198,53 Gy (Range 158-227 Gy), D10-Rektum 88,55 Gy (Range 34-129 Gy). In der RPM veränderten sich die mittleren Dosisparameter nicht signifikant (D90-Prostata 176,67 Gy, V100-Prostata 97,40%, D30-Urethra 198,94 Gy, D10-Rektum 85,89 Gy). Die reale Umsetzung des Dosisplans führte unter RPM somit nicht zu einer Verschlechterung der Dosisverteilung. Die von der American Brachytherapy Society (ABS) geforderten Dosisparameter wurden in vier Fällen nicht erreicht. In diesen vier Fällen mit isolierten “Cold-Spots” wurden vier bis sieben zusätzliche Seeds nachimplantiert.

Schlussfolgerung:

Veränderte Seedpositionen im Vergleich zur intraoperativen Vorplanung führten bei Verwendung einer RPM nicht zu einer Verschlechterung der Dosisparameter. Die Echtzeit-Modifikation ist in der Lage Implantationsschwächen aufzudecken und gibt dem Behandler die Möglichkeit diese intraoperativ auszugleichen.

Einfluss der Urethraldosis auf die therapieinduzierte Dysurie nach permanenter Seedimplantation bei lokal begrenztem Prostatakarzinom

Spira G1 Derakhshani P2 Kacpura W1 Neubauer S2

(1) Abteilung für Radioonkologie, Westdeutsches Prostatazentrum, Klinik am Ring, Köln

(2) Abteilung für Urologie, Westdeutsches Prostatazentrum, Klinik am Ring, Köln

Einleitung:

Die Dysurie ist bei der permanenten Seedimplantation (PSI) des Prostatakarzinoms häufigste Nebenwirkung und wichtiger Einflussfaktor auf die postoperative Lebensqualität. Wir untersuchten die prognostische Aussagekraft des Dosisparameters D30-Urethra für die postoperative Dysurie.

Patienten und Methode:

Im Zeitraum 02/2001 bis 6/2005 wurden 737 konsekutive Patienten im klinischen Stadium T1c-T2a mittels PSI behandelt. Als primärer Qualitätsparameter für die Dosisverteilung wurde eine D90-Prostata von mehr als 140 Gy festgelegt.

Die Patienten wurden anhand der D30-Urethra eingeteilt: Gruppe 1 D30 210 Gy (14,1%). Der IPSS wird vor Therapie und nach 3/6/12/18/24/36 Monaten erhoben. Dysurie wurde definiert als eine Verschlechterung des IPSS um mehr als 4 Punkte. Als Normalisierung wurde das Erreichen des Ausgangswertes plus 1 definiert.

Ergebnisse:

Das mittlere Follow-Up beträgt 33,4 Monate. 85,9% (n= 633) aller Patienten konnten mit einer D90 von mehr als 140 Gy behandelt werden. Die mediane D30-Urethra betrug 201,4 Gy. Zum Zeitpunkt 6 Monate nach Behandlung war bei 38,6% der Gruppe 1, 65,1% der Gruppe 2 und 12,5% der Gruppe 3 der IPSS wieder normalisiert (Baseline+1). Die Inzidenz der Dysurie über alle Gruppen betrug nach 1 Monat 56,6%, nach 3 Monaten 53,9%, nach 6 Monaten 48,1% und nach 12 Monaten 14,5%. Die Auswertung der Patienten nach Baseline-IPSS (12 Punkte) zeigte keinen signifikanten Unterschied nach 6 Monaten (62,8% vs. 64,1% Normalisierung).

Schlussfolgerung:

Im Gegensatz zur D30-Urethra erlaubt der prätherapeutische IPSS keine prognostische Aussage für den Zeitpunkt bis zur Normalisierung der Miktion. Neben dem in der Literatur häufig genannten Risikofaktor Prostatavolumen spielt die verabreichte Urethraldosis eine wichtige Rolle für die Miktionsqualität nach PSI.

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