Vitamin-D-Spiegel als Biomarker für die Aggressivität des Tumors

Patienten mit einem lokalen Prostatakarzinom, deren Erkrankung einen aggressiven Verlauf nimmt, zeigen gehäuft einen Vitamin-D-Mangel im Blut. Dies konnte jüngst US- amerikanische eine Studie der Northwestern Universität Evanston zeigen. Männer sollten daher auf Vitamin-D getestet werden, wenn sie erhöhte PSA-Spiegel aufweisen oder bei ihnen ein Prostatakarzinom diagnostiziert wurde. Welche Bedeutung der Vitamin-D- Gehalt bei der Entstehung und Ausprägung von Prostatakrebs hat, ist immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Bereits 2015 kamen US-amerikanische Forscher zu dem Ergebnis, dass die Zufuhr von Vitamin D das Fortschreiten niedriggradiger Tumore in der Prostata möglicherweise aufhalten kann.

Eine aktuelle Untersuchung der Northwestern Universität Evanston stellt nun erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel im Blut und der Aggressivität des Tumors her. Die Aggressivität wird dadurch charakterisiert, dass die Krebszellen bereits begonnen haben die Prostata zu verlassen. Die Wahrscheinlichkeit der Bildung von Absiedelungen (Metastasen) ist erhöht“, erklärt Dr. Pedram Derakhshani, Urologe im Westdeutschen Prostatazentrum in Köln.

Dazu untersuchten die Wissenschaftler 190 Männer, die sich in den Jahren von 2009 bis 2014 einer radikalen Prostata-OP unterzogen haben. Das Ergebnis: Männer, bei denen ein aggressiver Tumor diagnostiziert wurde, hatten einen durchschnittlichen Vitamin-D-Wert von 22,7 ng/ml, der weit unter dem Grenzwert von 30 ng/ml liegt. Bei Männern mit einem nicht-aggressiven Prostatakrebs lag der Wert für Vitamin D im Durchschnitt mit 27 ng/ml deutlich höher. Insbesondere bei den afrikanisch-stämmigen Amerikanern zeigte sich, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel mit dem Auftreten besonders bösartiger Prostata-Tumoren in Verbindung steht.

Vitamin D-Spiegel messen

„Bei Männern mit einem lokalen Prostatakarzinom mit geringem oder mittleren Risiko könnte Vitamin D künftig ein wichtiger Biomarker für die Aggressivität der Erkrankung sein und sollte unbedingt in die Therapieüberlegungen einbezogen werden, sagt Dr. Pedram Derakhshani vom Westdeutschen Prostatazentrum in Köln. Empfehlenswert sei es außerdem bei Patienten mit erhöhten PSA-Werten oder dem Vorliegen eines lokal begrenztenm Prostatakarzinom den Vitamin-D-Spiegel zu messen und bei Bedarf ein Vitamin-D-Präparat zuzuführen, so der Kölner Urologe.

Literatur:

Nyame YA, Murphy AB, Bowen DK, Jordan G,et al.: Associations Between Serum Vitamin D and Adverse Pathology in Men Undergoing Radical Prostatectomy.J Clin Oncol. 2016 Apr 20;34(12):1345-9. doi: 10.1200/JCO.2015.65.1463. Epub 2016 Feb 22.

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