Seed-Implantation wird endlich offiziell anerkannt

Gemeinsamer Bundesausschuss bescheinigt der LDR-Brachytherapie großen Nutzen und geringere Nebenwirkungen im Vergleich zur OP

Besser spät als nie: Während nationale und internationale medizinische Fachgesellschaften die Seed-Implantation seit rund 20 Jahren fest in ihren Leitlinien etabliert haben, zieht nun auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) nach und gibt grünes Licht für das moderne, strahlentherapeutische Verfahren. In seinem Beschluss vom 17. September 2020 bescheinigt das Gremium der Low-Dose-Rate (LDR)-Brachytherapie (Seed-Implantation) einen großen Nutzen in der Behandlung von Tumoren, die auf die Prostata beschränkt sind (lokalisierter Prostatakrebs). Vorteile sieht der G-BA auch in Hinblick auf die geringeren Nebenwirkungen der Methode. Künftig dürfen deshalb nicht nur Kliniken, sondern auch niedergelassene Fachärzte für Urologie und Strahlentherapie Patienten mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom mit einer Seed-Implantation behandeln.

„Jahrelang haben wir uns für die Anerkennung der Brachytherapie in Deutschland eingesetzt. Jetzt endlich können auch hierzulande Männer mit einem lokalisierten Prostatakarzinom so gezielt und schonend behandelt werden wie es dem internationalen Standard entspricht“, sagt Dr. Stephan Neubauer vom Westdeutschen Prostatazentrum. Als Vorreiter der Brachytherapie in Deutschland hat das interdisziplinäre Zentrum in Köln seit dem Jahr 2000 über 8.000 Behandlungen mit der organerhaltenden, minimalinvasiven Bestrahlung durchgeführt. Das Zentrum verfügt mittlerweile über Nachbeobachtungsdaten von 20 Jahren, die in einer Datenbank gespeichert und kontinuierlich in wissenschaftlichen Studien ausgewertet werden.

Weniger Nebenwirkungen durch punktgenaue Bestrahlung

Statt die gesamte Prostata in einer für den Patienten oft belastenden Operation zu entfernen, wird bei der Seed-Implantation der Tumor gezielt von innen bestrahlt. Dazu werden kleinste Strahlenquellen direkt in die Prostata gebracht. Durch eine exakte Berechnung der Strahlendosis mittels Computertechnik wird die Prostata punktgenau bestrahlt, ohne umliegende Strukturen wie Harnblase, Darm oder Schließmuskel zu schädigen. „Das hat den Vorteil, dass die Männer weiterhin ihren Urin halten können und nicht auf Vorlagen angewiesen sind. Auch Probleme mit der Potenz und der Libido treten deutlich seltener auf als nach der Operation“, sagt Dr. Neubauer.

Wissenschaftliche Studienlage zur Seed-Implantation überzeugt G-BA

Auch der G-BA betont die Vorteile der Seed-Implantation hinsichtlich Nebenwirkungen und Lebensqualität: „Im Vergleich zu den anderen verfügbaren Therapiealternativen, wie Entfernung der Prostata oder äußere Strahlentherapie, weist die Brachytherapie ein anderes, häufig für den Patienten vorteilhafteres Nebenwirkungsprofil auf. Insbesondere für Patienten, die eine Entfernung der Prostata als zu belastend ablehnen und für die auch eine mehrwöchige äußere Strahlentherapie nicht infrage kommt, kann die LDR-Brachytherapie die geeignete Therapieoption sein“, heißt es im Beschluss.

Das Gremium stützt seine Bewertung auf die wissenschaftliche Datenlage zur Seed-Implantation beim lokalisierten Prostatakarzinom. Berücksichtigt wurden neben den Ergebnissen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) weitere Evidenzen in Form von Health-Technology-Assessment-Berichten, aktuellen systematischen Übersichten und Leitlinien, insbesondere der deutschen S-3-Leitlinie sowie Einschätzungen und Stellungnahmen führender Urologen und Fachgesellschaften.

Ärzte werden künftig verpflichtet, auch über die Seed-Implantation aufzuklären

Während vielerorts die Diagnose Prostatakrebs automatisch zur operativen Entfernung der Prostata führt – oft mit schweren Nebenwirkungen, wie dem Verlust der Potenz und Problemen beim Halten des Urins – sind laut G-BA-Beschluss Ärzte künftig verpflichtet, ihren Patienten eine Patienteninformation auszuhändigen, in der sie über die Vor- und Nachteile aller etablierten Behandlungsoptionen aufgeklärt werden. Ziel sei es, „den persönlichen Abwägungsprozess zu unterstützen.“

„Auch wenn der Beschluss schon viel früher hätte kommen müssen, wird damit den betroffenen Patienten mit Prostatakrebs endlich die Möglichkeit gegeben, die für sie selbst optimale Therapiestrategie zu wählen", resümiert Dr. Neubauer.

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