PSA-Test: Urologen-Fachgesellschaft kritisiert IQWiG-Nutzenbewertung

Auch in ihrem Abschlussbericht vom April 2020 rät das Institut für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) trotz großer Einwände seitens nationaler und internationaler Fachgesellschaften von der generellen Bestimmung des PSA-Werts zur Früherkennung von Prostatakrebs ab. Scharfe Kritik erntet das Institut auch von der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU). „Zu Recht“, sagen Dr. Stephan Neubauer und Dr. Pedram Derakhshani vom Westdeutschen Prostatazentrum in Köln.

Zahlreiche Kritikpunkte am IQWIG-Bericht

Ein Screening auf Prostatakrebs mittels PSA-Test schadet deutlich mehr Männern als es nutzt, da häufiger Patienten überdiagnostiziert werden – so lautet das Fazit des IQWiG. Die wissenschaftliche Vorgehensweise des Instituts wird allerdings  in vielerlei Hinsicht bemängelt:  So sei nur bei einem geringen Anteil der Patienten ( 0,7 bis 1,6 Prozent)  mit einer Überdiagnose zu rechnen, insofern man den in Deutschland üblichen Grenzwert für das PSA von 4 ng/ml zugrunde legt.

Die Bewertung basiert zudem darauf, dass bei einem Prostatakrebs-Screening mittels PSA-Test alle Männer in einem bestimmten Alter unabhängig von Begleiterkrankungen und Risikoprofil zu einem PSA-Test aufgefordert werden. Die Realität sieht laut DGU jedoch anders aus: „Im Unterschied zu dem vom IQWiG betrachteten systematischem, rein altersbezogenem Screening mittels PSA, erfolgt seit Jahren gemäß der urologischen Leitlinien, eine risikoadaptierte PSA-Diagnostik als Baustein der Prostatakarzinomfrüherkennung. 

Des Weiteren bemängelt die Fachgesellschaft die Auswahl der für die Bewertung hinzugezogenen Studien. Während das IQWIG „zwar die Plausibilität des Konzepts einer PSA-basierten Frühdiagnostik dezidiert eingeräumt hat“, wurde letztendlich aber auf die 2028 zu erwartenden Ergebnisse der ProScreen-Studie aus Finnland und der Göteborg-Studie hingewiesen, anstatt aktuelle Ergebnisse der PROBASE-Studie zu berücksichtigen, die noch Ende des Jahres publiziert werden“, betont die DGU.

PSA bleibt wichtigstes Instrument zur Früherkennung

Nur mittels PSA-Testung könne eine rechtzeitige Erkennung und Therapie des häufigsten Tumors des Mannes gewährleistet und das vermehrte Auftreten von metastasierten Erkrankungsstadien verhindert werden, so das Fazit der führenden Urologen Deutschlands. Ein richtiger Umgang mit den Testergebnissen spiele dabei eine wichtige Rolle, erläutern die Kölner Urologen. 

So kann ein einmalig erhöhter PSA-Wert auch Folge einer gutartigen Prostatavergrößerung oder einer Entzündung der Prostata sein. Selbst Fahrradfahren sowie Geschlechtsverkehr lassen den PSA-Wert kurzfristig in die Höhe schnellen. Wichtig ist es daher, den Test zu wiederholen und zusätzliche andere diagnostische Verfahren zu nutzen, lautet die Empfehlung des Westdeutschen Prostatazentrums. Zu einer effektiven Früherkennung gehören PSA-Test, Ultraschall und Tastuntersuchung der Prostata. Essentiell wichtig sei daher immer eine fachlich-fundierte Bewertung der Gesamtbefunde eines Mannes und nicht ein isoliertes Betrachten des PSA-Wertes. 

Mehr zur Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Urologie erfahren Sie hier!

Patienteninformation der DGU zur PSA-gestützten Früherkennung des Prostatakarzinoms

Westdeutsches Prostatazentrum (WPZ): Warum der PSA-Test in der Früherkennung sinnvoll ist!

 


 

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