Hochrisiko-Prostatakarzinom: Brachytherapie wirksamer als OP

Eine aktuelle Studie, die im Fachmagazin JAMA veröffentlicht wurde, belegt eindeutig: Brachytherapie in Kombination mit äußerer Bestrahlung erzielt bessere Ergebnisse für Patienten mit einem „high-risk“ Prostatakarzinom als die operative Entfernung der Prostata.

Mehr als 60.000 Männer werden in Deutschland jedes Jahr mit der Diagnose Prostatakrebs konfrontiert, wobei bei der Mehrzahl der Betroffenen die Krebserkrankung auf die Prostata begrenzt ist. Bei 7 bis 10 Prozent der Patienten liegt allerdings ein Hochrisiko-Prostatakarzinom vor. Hier kann der Tumor das Organ bereits verlassen haben, ist aber noch auf das unmittelbare Umfeld der Prostata beschränkt. Lymphknoten- oder Knochenmetastasen können nicht nachwiesen werden. 

„Für diese Patienten hat sich gezeigt, dass die wirksamste und sinnvollste Behandlung die Brachytherapie kombiniert mit einer äußeren Bestrahlung ist“, erklärt Dr. Stephan Neubauer, Urologe im Westdeutschen Prostatazentrum. Die Operation sei in fortgeschrittenen Stadien dagegen keine gute Wahl. Der Grund: Wird die Prostata operativ entfernt, kommt es häufig vor,  dass sich bereits Ausläufer des Tumors außerhalb des Schnittrandes befinden, die nach der OP weiter wachsen. Anders bei der Brachytherapie: Hier werden auch Randbereiche der Prostata in die Bestrahlung einbezogen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor erneut im Bereich der Prostata (Lokalrezidiv) auftritt, ist daher nach einer kombinierten Brachytherapie sehr viel geringer als nach einer radikalen OP“, so der Prostataspezialist. 

Beste Ergebnisse für kombinierte Strahlenbehandlung

Auch US-Wissenschaftler von der University of California in Los Angeles gingen jüngst der Frage nach, welche Therapie für Patienten mit einem Hochrisiko-Prostatakarzinom am sinnvollsten ist. Dazu verglichen sie bei insgesamt 1809 Patienten im Alter von durchschnittlich 61 Jahren die Wirksamkeit von Operation, alleiniger Bestrahlung und Brachytherapie in Kombination mit einer äußeren Strahlentherapie. Darüber hinaus erhielten alle bestrahlten Patienten zusätzlich eine Hormonbehandlung. 

Die Studie zeigt erneut, dass die Brachytherapie in Kombination mit der äußeren Bestrahlung bei Prostatakrebspatienten mit hohem Risikoprofil zu der besten Heilungsrate führt. So betrug die Sterblichkeit auf Grund des Prostatakarzinoms nach 5 Jahren nur 3 Prozent für Patienten, die mittels Brachytherapie in Kombination mit einer äußeren Strahlentherapie behandelt wurden, im Vergleich zu 13 Prozent nach alleiniger externer Bestrahlung und 12 Prozent nach Operation. Auch das Risiko Metastasen zu bilden, war bei Patienten, die eine kombinierte Strahlenbehandlung erhielten, am geringsten. 

HDR-Afterloading: Bessere Heilungsrate bei weniger Nebenwirkungen

Als Verfahren der Brachytherapie eignet sich das so genannte HDR-Afterloading. Hierbei fährt eine hochaktive Strahlenquelle temporär in zuvor implantierte Nadeln und bestrahlt den Tumor direkt vor Ort. Die Bestrahlung dauert nur wenige Minuten und wird je nach Befund drei bis vier Mal unter Kurznarkose durchgeführt. „Durch eine exakte Verteilung der Strahlendosis kann der Tumor bestrahlt werden, ohne umliegende Strukturen wie Harnblase, Darm oder Schließmuskel zu beschädigen“, erläutert der Kölner Spezialist. Neben einer besseren Wirksamkeit treten dadurch auch insgesamt weniger Nebenwirkungen auf als nach OP.  So sind Inkontinenz- (< 2 %) und Impotenzraten (20–40 %) deutlich geringer als nach der operativen Entfernung der Prostata (10–15 % bzw. 60–100%).

Westdeutsches Prostatazentrum bestätigt Studiendaten

Das Westdeutsche Prostatazentrum kann die hervorragende Wirksamkeit des HDR-Afterloadings bei fortgeschrittenem Prostatakrebs anhand eigener Patientendaten bestätigen. „Seit dem Jahr 2000 haben wir mehr als 7.000 Brachytherapien durchgeführt. Etwa ein Viertel davon waren Patienten mit einem Hochrisikoprostatakarzinom, die wir mittels Afterloading-Therapie behandelt haben“, so Dr. Neubauer. „Dennoch werden laut HAROW-Studie trotz nachweislich schlechterer Heilungsraten nur 18 Prozent der Patienten mit einem high-risk Tumor bestrahlt aber rund 65 Prozent operiert“, moniert der Urologe. Doch das werde sich in Zukunft auf Grund der überzeugenden Studiendaten zur Brachytherapie beim Hochrisiko-Prostatakarzinom wohl ändern.

Das Westdeutsche Prostatazentrum gehört zu den fallstärksten Zentren in Europa und gilt als Pionier auf dem Gebiet der Brachytherapie in Deutschland. 


Literatur:

Kishan AU, Cook RR, Ciezki JP, et al.: Radical prostatectomy, external beam radiotherapy, or external beam radiotherapy with brachytherapy boost and disease progression and mortality in patients with gleason score 9–10 prostate cancer. JAMA 2018; 319 (9): 896–905
 

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